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Tindersticks: Mother Dear

April 16th, 2009

Eine live im Studio eingespielte Aufnahme, zwei Mikrophone, ein paar Musiker. Zunächst nur ein ganz leises Orgeln, ein sich so dahin schleppender Dreiviertel-Takt mit ganz sachter Betonung auf der Eins, Stuart A. Staples so nah am Mikro, dass es selbst das Geräusch mitnimmt, das die Zunge macht, wenn sie sich vom Gaumen löst. Es riecht nach Zigaretten und Kaffee und nach dieser lehmbraunen Wand, auf das das zersägte Herz auf dem Cover dieses Albums gemalt ist. Dann keift recht überraschend die elektrische Gitarre dazwischen, ziemlich aus dem Takt. Dann Streicher, ganz süß, wieder im Takt, dem Lied das erste Mal eine Melodie gebend. Das ist nicht mal der beste Tindersticks-Song, aber wenn er sich ganz langsam so aufbläst, erst ein bisschen wütend und dann im Abgang so versöhnlich, das ist schon ein großer musikalischer Moment. Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Tindersticks

The Cardigans: Lovefool

April 15th, 2009

So richtig erfolgreich waren die Cardigans nie, so richtig erfolglos aber auch nicht. Sie sind für die internationale Musikszene, wenn der Vergleich erlaubt ist, das, was Bayer 04 Leverkusen für die Bundesliga ist. Immer dabei, doch immer hübsch unauffällig. Lovefool ist (zumindest) gefühlt der größte Hit der Cardigans. Er kam, wie das bei Wikipedia so schön steht, 1996 “fast in die britischen Top 20″. Egal: 1997 wurde das Lied für den Soundtrack von Luhrmanns “Romeo & Juliet” noch einmal veröffentlicht und kam fast auf Platz 1 der britischen Charts. Es ist ein nettes Stück über das selbstquälerische Potenzial der Liebe, über die Fähigkeit von Frauen, sehenden Auges ins Verderben zu rennen. “I don’t care if you really care as long as you don’t go.” Dazu kind of Easy-Listening-Tingeltangel, was bei weitem nicht so despektierlich gemeint ist, wie es sich anhört. Nett. Wirklich nett. Drei Sterne.

Andreas 3 Sterne, The Cardigans

The Notwist: Moron

April 14th, 2009

Ein Stück zum Studieren von Blasinstrumenten und zum Anreichern von Wissen über Musik. Was man da nicht alles dazu lernt. Wie tief runter Bassklarinetten kommen, zum Beispiel. Wie hoch wiederum Trompeten kommen, wenn man sie mit Dämpfer spielt. Oder sonst eine geheimnissvolle Technik beherrscht. Dass der Song auf dem Soundtrack von “Absolute Giganten” drauf ist. Und dass es ein Video von Anton Kaun gibt. Dass er vier Sterne verdient hat sowieso.

Andreas 4 Sterne, The Notwist

Ellen Allien & Apparat: Under

April 9th, 2009

Electronic. Harter Beat, nicht zu schnell, aber noch schnell genug um als Uptempo durchzugehen. Dazu allerhand Klänge aus den Tasten gezaubert. Knirschen, Knistern, Klatschen, Schnippsen, tiefe Bassläufe. Es ist diese Art Musik, die auf einer teuren Anlage und so richtig laut erst wirkt. Auf dem iPod im Zug weniger. Immerhin trommeln die Finger auf dem Oberschenkel mit. Geht also ein bisschen in die Gliedmaßen. Aber nicht so richtig ans Herz. Zwei Sterne.

Andreas 2 Sterne, Ellen Allien & Apparat

Sigur Ros: Staràlfur

April 8th, 2009

Ein englischer Musik-Journalist stellte einmal fest, dass die Isländer einen sehr bemerkenswerten Musikgeschmack haben. Bands wie Sigur Ros würden sich in den isländischen Hitparaden so hartnäckig halten wie anderswo Shania Twain. Das ist vor allem deshalb so bemerkenswert, weil sich Sigur Ros dem chartüblichen konfektionierten Pop äußerst lange - nun ja: verweigert haben. Staràlfur ist ein Epos, wenngleich ein an Sigur-Ros-Maßstäben gemessen recht bescheidenes, nicht ganz sieben Minuten langes. Das Orchester spielt, Sänger Jònsi schwelgt in hohen Tönen, auf isländisch, diesen uns fremden Lauten. Staràlfur heißt laut Wikipedia übersetzt “Glotzelfe”. Was immer das ist?! Musikalisch hat der Song eine gewisse Leichtigkeit. Passt zum (mitteleuropäischen) Frühling. Man kann das Lied auch downloaden. Umsonst und ganz legal. Alles in allem: Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Sigur Ros

Finn: My Last Rites

April 7th, 2009

Die letzte Ölung, ein ganz ruhiges Stück einer ganz formidablen Band. Eine Minute, vielleicht nicht der schwungvollste Start in den Tag, aber bestimmt ein sehr schöner. Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Finn

Kings of Convenience: Homesick

April 6th, 2009

Schon wieder Erlend Oye, doch diesmal der andere, der akustische, zusammen mit Eirik Glambek Bøe. Das sind die Kings Of Convenience, hier in einem Lied erklärt. Die Musik, die Philosophie, das ganze große Prinzip: “I lose some sales and my boss won’t be happy, but I can’t stop listening to the sound of two soft voices blended in perfection, from the reels of this record that I found.” Was sind schon schnöde Bilanzen gegen ein gutes Stück Musik? Was sind schon ein paar Excel-Tabellen gegen zwei ganz harmonisch gezupfte akustische Gitarren? Was ist schon ein gut gelaunter Boss gegen fünf Sterne?

Andreas 5 Sterne, Kings of Convenience

Alan Brax & Fred Falke: Rubicon

April 3rd, 2009

Keine großen Worte. Entdeckt und lieben gelernt auf der DJ-Kicks von Erlend Oye. Erinnerungen an After The Fire und all diese seltsamen 80er-Jahre-Instrumentals. Aber irgendwie cool. Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Alan Brax & Fred Falke

Kettcar: Balkon gegenüber

April 2nd, 2009

Ein Lied ohne Refrain. Ein Typ ohne Frau. Der schäbig aussieht. Unrasiert. “Mehr Ringe als Augen und die unterlaufen.” Auf dem Balkon eine Flaschensammlung. Ganz schön fertig, der Typ. Sie ist halt weggerannt. Oder er hat sie weggeschickt!? Egal: Das wird schon wieder. Die Flaschen werden schon helfen. Viel Glück! Zwei Minuten. Fünf Sterne.

Andreas 5 Sterne, Kettcar

Marcy Playground: All The Lights Went Out

April 1st, 2009

Das fängt so harmlos an, ein simples Gitarren-Motiv und der durch einen Federhall gejagte Gesang. Stürmisch ist es draußen und sie kommt rein, sucht jemanden, der sie wärmt. Prompt trifft sie Amors Pfeil, aber mehr aus Versehen. Und dann brennt im Himmel eine Sicherung durch - “All the light went out”. Die Geschichte einer Liebe, am Ende wohl ohne Glück. Bis dahin ist die Musik derart angeschwollen, als hätte sie sich das bei den Niagara-Fällen abgeguckt. Hymnisch, schön. Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Marcy Playground