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Archive for the ‘4 Sterne’ Category

Tindersticks: Mother Dear

April 16th, 2009

Eine live im Studio eingespielte Aufnahme, zwei Mikrophone, ein paar Musiker. Zunächst nur ein ganz leises Orgeln, ein sich so dahin schleppender Dreiviertel-Takt mit ganz sachter Betonung auf der Eins, Stuart A. Staples so nah am Mikro, dass es selbst das Geräusch mitnimmt, das die Zunge macht, wenn sie sich vom Gaumen löst. Es riecht nach Zigaretten und Kaffee und nach dieser lehmbraunen Wand, auf das das zersägte Herz auf dem Cover dieses Albums gemalt ist. Dann keift recht überraschend die elektrische Gitarre dazwischen, ziemlich aus dem Takt. Dann Streicher, ganz süß, wieder im Takt, dem Lied das erste Mal eine Melodie gebend. Das ist nicht mal der beste Tindersticks-Song, aber wenn er sich ganz langsam so aufbläst, erst ein bisschen wütend und dann im Abgang so versöhnlich, das ist schon ein großer musikalischer Moment. Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Tindersticks

The Notwist: Moron

April 14th, 2009

Ein Stück zum Studieren von Blasinstrumenten und zum Anreichern von Wissen über Musik. Was man da nicht alles dazu lernt. Wie tief runter Bassklarinetten kommen, zum Beispiel. Wie hoch wiederum Trompeten kommen, wenn man sie mit Dämpfer spielt. Oder sonst eine geheimnissvolle Technik beherrscht. Dass der Song auf dem Soundtrack von “Absolute Giganten” drauf ist. Und dass es ein Video von Anton Kaun gibt. Dass er vier Sterne verdient hat sowieso.

Andreas 4 Sterne, The Notwist

Sigur Ros: Staràlfur

April 8th, 2009

Ein englischer Musik-Journalist stellte einmal fest, dass die Isländer einen sehr bemerkenswerten Musikgeschmack haben. Bands wie Sigur Ros würden sich in den isländischen Hitparaden so hartnäckig halten wie anderswo Shania Twain. Das ist vor allem deshalb so bemerkenswert, weil sich Sigur Ros dem chartüblichen konfektionierten Pop äußerst lange - nun ja: verweigert haben. Staràlfur ist ein Epos, wenngleich ein an Sigur-Ros-Maßstäben gemessen recht bescheidenes, nicht ganz sieben Minuten langes. Das Orchester spielt, Sänger Jònsi schwelgt in hohen Tönen, auf isländisch, diesen uns fremden Lauten. Staràlfur heißt laut Wikipedia übersetzt “Glotzelfe”. Was immer das ist?! Musikalisch hat der Song eine gewisse Leichtigkeit. Passt zum (mitteleuropäischen) Frühling. Man kann das Lied auch downloaden. Umsonst und ganz legal. Alles in allem: Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Sigur Ros

Finn: My Last Rites

April 7th, 2009

Die letzte Ölung, ein ganz ruhiges Stück einer ganz formidablen Band. Eine Minute, vielleicht nicht der schwungvollste Start in den Tag, aber bestimmt ein sehr schöner. Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Finn

Alan Brax & Fred Falke: Rubicon

April 3rd, 2009

Keine großen Worte. Entdeckt und lieben gelernt auf der DJ-Kicks von Erlend Oye. Erinnerungen an After The Fire und all diese seltsamen 80er-Jahre-Instrumentals. Aber irgendwie cool. Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Alan Brax & Fred Falke

Marcy Playground: All The Lights Went Out

April 1st, 2009

Das fängt so harmlos an, ein simples Gitarren-Motiv und der durch einen Federhall gejagte Gesang. Stürmisch ist es draußen und sie kommt rein, sucht jemanden, der sie wärmt. Prompt trifft sie Amors Pfeil, aber mehr aus Versehen. Und dann brennt im Himmel eine Sicherung durch - “All the light went out”. Die Geschichte einer Liebe, am Ende wohl ohne Glück. Bis dahin ist die Musik derart angeschwollen, als hätte sie sich das bei den Niagara-Fällen abgeguckt. Hymnisch, schön. Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Marcy Playground

Arcade Fire: Keep The Car Running

März 28th, 2009

Der amerikanische Rolling Stone nannte dieses Lied den besten Bruce-Springsteen-Song, der nicht von Bruce Springsteen geschrieben wurde. Weil der Boss den Song gecovert hat, ebenso im übrigen David Grohl von den Foo Fighters. Es ist ein Song über das, was auf Englisch so schön “get the fuck out of a bad place” genannt wird, wofür es im Deutschen aber keine adäquate Übersetzung gibt. Die geschwind gezupfte Mandoline, ein schneller Eins-zwei-eins-zwei-Beat und Win Butlers bisweilen exaltierter Gesang sind die musikalische Basis. 4 Sterne.

Andreas 4 Sterne, Arcade Fire

Ladytron: High Rise

März 25th, 2009

Ladytron wären eine fantastische 80s-Band, wenn sie aus den 80s wären. High Rise ist der Opener des sehr hübschen Albums “Witching Hour”, erschienen 2005. Der Song hat ein Tempo, das einem beim Joggen ganz schön fordern würde, er hat Bombast, elektrische Gitarre und einen Hall unterm Gesang, den der Kölner Dom nicht schöner hinzaubern könnte. Der Text tut an sich nichts zur Sache, er wird allerdings sehr lustig, jagt man ihn durch die Google-Übersetzungsmaschine: “Schwarze Sonne, Neuer Tag bricht, Verstärkung und Zerstörung. Wir wieder auf dem gleichen hohen, Sie und ich. Öffnen Sie auf der gleichen Seite, nicht sunrise.” Alles klar? Denke auch. Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Ladytron

Eels: Flyswatter

März 24th, 2009

Uns geht’s ja so gut. Es gibt ja Mittelchen gegen alles. Gegen alles was kreucht und fleucht. Chemische Mittelchen, mechanische Mittelchen, biologische Mittelchen. Auch Fliegenklatschen gibt es, von denen dieses Lied handelt. Ja, man kann Lieder über Fliegenklatschen schreiben, man kann sogar sehr gute Lieder über Fliegenklatschen schreiben, wenn man Mark “E” Everett heißt und ein genialer Zausel ist. Eigentlich hat Flyswatter etwas von einem Kinderlied. Einfache Melodie, niedlicher Text: “Little field mice Living under the house, Never eating much, Tough life for a mouse, And if you think you’re gonna be spared you’re wrong.” Refrain: “Field mice, head lice, Spiders in the kitchen. Don’t think twice ’bout Whatever keeps you itchin. Ice water, flyswatter Gonna get you trough The day.” So weit, so nett. In der Live-Version vom Album “Eels with Strings” allerdings wird aus dem niedlichen Stück ein bisweilen anstrengendes atonales Experiment. Wie eine Armada von Läusen, Zecken, Milben, Flöhen und schmierigen Stubenfliegen wuselt das Orchester hier herum. Schräg. 4 Sterne.

Ach so, das hier ist freilich das Original:

Andreas 4 Sterne, Eels

Radiohead: Karma Police

März 17th, 2009

Kunst von RadioheadOK Computer ist natürlich das großartigste Album der 90er Jahre. Vielleicht eines der großartigsten Alben überhaupt, auch wenn man nicht wissen kann, was da noch alles auf uns zu kommt. „Karma Police“ ist der radiotauglichste Song dieses zum Teil etwas verstörend klingenden Werkes. Man stelle sich nur einmal „Fitter Happier“ im Nachmittagsprogramm vor. Mit Grüßen. Guter Gag. Aber natürlich ist es ein trauriger Song über ein ziemlich verlorenes Ich in einer ziemlich verlorenen Kapitalismus-Welt. “A song against bosses. Fuck the middle management!”, hat Tom Yorke gesagt. „I lost myself“. Was irgendwie ein Glück ist, wo sollte sonst all die Energie für solch formidable Musik herkommen? 4 Sterne.

Andreas 4 Sterne, Radiohead