The Jai-Alai Savant: Scarlett Johansson Why Don’t You Love Me

März 31st, 2009

Also: Super Song-Titel und eine super erste Zeile: “Sex is war and you’re my adversary how tumultuos and scary the scenario can be.” Damit ist leider alles Pulver schon verschossen, es folgen knapp drei Minuten schaler Ska-Punk-Pop, ohne merkenswerte Hook und ohne weitere merkenswerte Hinhörer. Ein Insider-One-Hit-Wonder also. Noch ein wenig nutzloses Wissen. Jai Alai, so weiß Wikipedia, ist baskisch für “fröhliches Fest”, der Begriff beschreibt aber eine Sportart, die ein wenig Ähnlichkeit mit Squash hat. Statt Schläger werden hakenförmige Korbhandschuhe verwendet. Der Ball ist eine prima Grundlage für ein Geschäftsmodell: Er kann nur per Handarbeit hergestellt werden, hält aber nur 15 bis 20 Minuten - weil die Bälle mit bis zu 188 Meilen pro Stunde an die Wand geklatscht werden. Ein einziger Ball kostet deshalb bis zu 200 Dollar. Ein Jai-Alai Savant ist dann wohl jemand,der das Spiel besonders gut beherrscht. Für das Lied gibt es dennoch keine gute Wertung, nur einen Bonus-Punkt für Titel und erste Zeile. Zwei Sterne.

Andreas 2 Sterne, The Jai-Alai Savant

Belle & Sebastian: We are the Sleepyheads

März 30th, 2009

Hu, für ein Lied morgens um neun ganz schön aufgedreht. Von wegen “Sleepyhead” - Schlafmütze. Das Badabadabadabadabadabadaba am Anfang klingt wie eine Karrikatur eines Gute-Laune-Senders mit den besten Hit aus den 60ern, 70ern und 80ern. Oder so. Dennoch - oder gerade deswegen: So richtig packt der mich nicht. Einige Zeilen vielleicht, solche wie: “The beauty of the moment is the beauty sadly lost …” Aber Belle & Sebastian können es besser. 3 Sterne.

Andreas 3 Sterne, Belle & Sebastian

Arcade Fire: Keep The Car Running

März 28th, 2009

Der amerikanische Rolling Stone nannte dieses Lied den besten Bruce-Springsteen-Song, der nicht von Bruce Springsteen geschrieben wurde. Weil der Boss den Song gecovert hat, ebenso im übrigen David Grohl von den Foo Fighters. Es ist ein Song über das, was auf Englisch so schön “get the fuck out of a bad place” genannt wird, wofür es im Deutschen aber keine adäquate Übersetzung gibt. Die geschwind gezupfte Mandoline, ein schneller Eins-zwei-eins-zwei-Beat und Win Butlers bisweilen exaltierter Gesang sind die musikalische Basis. 4 Sterne.

Andreas 4 Sterne, Arcade Fire

Calexico: Point Vicente

März 27th, 2009

Der Point Vicente ist ein Leuchtturm, er steht in Parlos Verdes, nördlich von Los Angeles. Er wurde 1926 gebaut, nachdem unzählige Schiffe in der an Klippen offenbar recht reichen Gegend gesunken waren. Wie viele Seeleute dabei ihr Leben verloren weiß ich nicht, offenbar aber genug, dass sich Legenden um den Turm bildeten. Was zur Legendenbildung noch beitrug: Nach dem Zweiten Weltkrieg störten sich viele Anwohner am hellen rotierenden Lichtstrahl, der nachts durch ihre Schlafzimmer huschte. Deshalb strichen die Betreiber die Leuchtturm-Fenster auf der Landseite mit weißer Farbe. Das war die Geburtstunde der “Lady Of The Light”. Durch die gedimmten Scheiben glaubten die Anwohner die Umrisse einer Frau zu erkennen. Und fortan erzählte man sich Geschichten: Vom Geist der Frau des ersten Leuchtturmwärters, die an einem nebligen Tag von den steilen Klippen gestürzt war. In einer anderen Geschichte heißt es, die Frau warte auf einen Liebhaber, der auf See verschollen ist. Andere wiederum sagen, die Lady Of The Light sei der Schatten einer Frau, die sich aus Liebeskummer von den Klippen stürzte. Aus diesem Stoff ist dieser Song. Ganz smooth gespielt. 3 Sterne

Andreas 3 Sterne, Calexico

Depeche Mode: Home (Air “Around The Golf” Mix)

März 26th, 2009

Das ist nun auch schon wieder zwölf Jahre her. Nicht Depeche Modes beste Zeit, daher auch nicht Depeche Modes bester Song. Es ist einer der wenigen, die von Martin Gore gesungen wurden - neben “A Question Of Lust” und “Somebody”, wie man bei Wikipedia nachlesen kann.  Weniger klar ist mir der Inhalt. Geht’s um Drogen? Einsamkeit? Selbstmitleid? Im Video schleicht ein Allien rum. Keine Ahnung. Vielleicht komme ich mal irgendwann dahinter. Der fluffige Sound dieses Remixes hält mich allerdings von allzu intensiver Beschäftigung mit dem Lied ab. Nur zwei Sterne.

Andreas 2 Sterne, Depeche Mode

Ladytron: High Rise

März 25th, 2009

Ladytron wären eine fantastische 80s-Band, wenn sie aus den 80s wären. High Rise ist der Opener des sehr hübschen Albums “Witching Hour”, erschienen 2005. Der Song hat ein Tempo, das einem beim Joggen ganz schön fordern würde, er hat Bombast, elektrische Gitarre und einen Hall unterm Gesang, den der Kölner Dom nicht schöner hinzaubern könnte. Der Text tut an sich nichts zur Sache, er wird allerdings sehr lustig, jagt man ihn durch die Google-Übersetzungsmaschine: “Schwarze Sonne, Neuer Tag bricht, Verstärkung und Zerstörung. Wir wieder auf dem gleichen hohen, Sie und ich. Öffnen Sie auf der gleichen Seite, nicht sunrise.” Alles klar? Denke auch. Vier Sterne.

Andreas 4 Sterne, Ladytron

Eels: Flyswatter

März 24th, 2009

Uns geht’s ja so gut. Es gibt ja Mittelchen gegen alles. Gegen alles was kreucht und fleucht. Chemische Mittelchen, mechanische Mittelchen, biologische Mittelchen. Auch Fliegenklatschen gibt es, von denen dieses Lied handelt. Ja, man kann Lieder über Fliegenklatschen schreiben, man kann sogar sehr gute Lieder über Fliegenklatschen schreiben, wenn man Mark “E” Everett heißt und ein genialer Zausel ist. Eigentlich hat Flyswatter etwas von einem Kinderlied. Einfache Melodie, niedlicher Text: “Little field mice Living under the house, Never eating much, Tough life for a mouse, And if you think you’re gonna be spared you’re wrong.” Refrain: “Field mice, head lice, Spiders in the kitchen. Don’t think twice ’bout Whatever keeps you itchin. Ice water, flyswatter Gonna get you trough The day.” So weit, so nett. In der Live-Version vom Album “Eels with Strings” allerdings wird aus dem niedlichen Stück ein bisweilen anstrengendes atonales Experiment. Wie eine Armada von Läusen, Zecken, Milben, Flöhen und schmierigen Stubenfliegen wuselt das Orchester hier herum. Schräg. 4 Sterne.

Ach so, das hier ist freilich das Original:

Andreas 4 Sterne, Eels

Adam Green: The Prince’s Bed

März 23rd, 2009

Adam Green und der Liebeskummer. Das ist natürlich kein rausgeheulter Herzschmerz. Eher ein ganz schön zynisches Verhältnis. Der Text von “The Prince’s Bed” scheint so hingerotzt, hat aber durchaus seine Momente. Die etwas überraschend kommende perspektivische Verdrehung am Anfang beispielsweise: “If there’s a heart inside your eye, If there’s a clock inside your head, If there’s a girl outside your bed. Put your face in my place.” Das Problem ist nämlich, dass es da eine Prinzessin gibt, bei der jeder mal darf, außer der Prinz. Also bleibt die Kiste des Prinzen leer. Und kalt. Klassischer Stoff. Dazu Tingeltangel der süßlichen Art. Ein durchschnittlicher Green. Äußerst wohlwollende 3 Sterne.

Andreas 3 Sterne, Adam Green

Goldfrapp: Happiness

März 21st, 2009

Am Wochenende wird Musik hier vor allem nebenbei gehört. Daher zur Überbrückung ein Video. Ein tolles Video. Da am Dienstag die U-Bahn streikt, werde ich genau auf diese Art in die Arbeit kommen. Von gehen kann ja keine Rede sein. Voila, Ladies and Gentlemen, we proudly present: Goldfrapp!

Andreas Goldfrapp, Video ,

The Notwist: One Step Inside Doesn’t Mean You Understand

März 20th, 2009

Wohl wahr, wohl wahr. Ich habe “Neon Golden” schon immer gerne gehört, allerdings noch nie so exszessiv wie nach dem Anschauen von “On/Off The Record”, jenem formidablen Dokumentar-Film von Jörg Adolph. Weil ich das Album vor diesem Film wohl einfach nicht verstanden habe. Tatsächlich sieht man alles in einem anderen Licht, wenn man sich einmal vergegenwärtigt, mit wie viel Besessenheit hier an jedem kleinen Detail gearbeitet wurde. Allein das gezupfte Cello in diesem Lied hier. Der Cellist hat sich bald die Finger gebrochen, weil die Partitur (von Markus Acher am Klavier geschrieben) nahezu unspielbar war. Als der gute Mann dann endlich fertig war, wurde die Einspielung am Rechner auseinander geschnippelt und neu wieder zusammen gesetzt. Das muss Tage gedauert haben. “In your world my feet are out of step, my arms don’t move, my hand won’t grab. I will never read your stupid map, so don’t call me incomplete, you are the freak.” You are the freak! Welch sympathische Arroganz. Dann dieser hohle Beat. Auslaufrillen-Geknister. Das Cello. Ich liebe das. Formidabel! 5 Sterne.

Andreas 5 Sterne, The Notwist